Religion
Es ist schon lange her, da lernte ich K. kennen und lieben. Die Beziehung zwischen uns entwickelte sich schnell und sehr gut, keiner wollte ohne den anderen sein. Wir sprachen einfach über alles, alles was uns bewegte, über Gott und die Welt. Genau an diesem Punkt waren wir uns allerdings uneinig. Ich bin zwar getauft und konfirmiert, doch hatte ich meinen Glauben an einen Gott längst verloren. Für K. war das anders. Sie war sichtlich irritiert und schockiert als ich sagte, dass ich glaube, Religion sei etwas für alte und kranke Menschen. Es ist etwas woran sie sich halten können, wenn auch sie den Weg alles Irdischen gehen. Sie teilte meine Meinung nicht, womit ich kein Problem hatte und fragte warum ich noch in der Kirche sei und Kirchensteuer zahle. Die Antwort war für mich sehr einfach, ich wollte in einer Kirche heiraten, einfach des Flair wegens. Die Atmosphäre, das ganze Drumherum.
Viel später, wir wohnten bereits in einer gemeinsamen Wohnung, sprachen wir über unsere gemeinsame Zukunft. Über Verschiedenes und irgendwie kamen wir auf das Thema Heiraten. Scheinbar hatte sie unser Gespräch nicht vergessen und sagte mir, dass sie mich nie in einer Kirche ehelichen würde. Ich würde ein Versprechen vor einem Gott ablegen, an den ich nicht glaubte und sie könnte dies so nie akzeptieren. Die Beziehung brach dann später …
Ich habe oft danach noch über unsere Gespräche bezüglich Religion nachdenken müssen aber ich kann das einfach nicht. Religion, wie sie hier in diesem Lande und auch überall in der Welt ausgelebt wird, ist einfach nicht mein Ding. Wozu muss ich Sonntags in die Kirche gehen? Damit da jemand etwas aus einem Buch vorliest, welches ich schon kenne? Oder um mir sagen zu lassen, dass ich ein schlechter Mensch bin? Das weiß ich selbst. Wenn ein Gott gewollt hätte, dass ich Sonntags in die Kirche gehe, hätte er keinen Schichtdienst zugelassen. Ich kann es kaum noch hören oder ertragen, wenn die Jünger der Kirche bei jedem Wunder schreien, das müsse das Werk Gottes sein. Stellt man sie jedoch vor schwierige Fragen heißt es nur, die Wege des Herrn sind unergründlich. Es gab mal eine Band, die hat gesungen Wer keine Angst vor´m Teufel hat, braucht auch keinen Gott. Ich lese da mehr zwischen den Zeilen Worten, denn mich selbst müsste ich dann fragen: Geht es mir schlechter weil ich nicht an einen Gott glaube? Oder: Würde es mir besser gehen, wenn ich es täte? Wenn ich an einen Gott glaube, so verliere ich den Glauben an mich selbst. Ich hätte ja nichts allein geschafft, alles entspringt der Hand Gottes. Und wenn mir mal was schlechtes widerfährt, so ist es ebenfalls sein Werk und Wille. Das kann doch so nicht sein. Ich denke, jeder ist seines eigenen Glückes Schmied.
Die Frage mit der kein Anhänger einer Glaubensrichtung klarkommt ist dann Warum gibt es neben deiner Religion noch andere? Heißt es nicht in der Bibel, du sollst keine anderen Götter haben neben mir? Oder ist das gar nicht auf andere Religionen bezogen? Auslegungssache. Ich denke, man könne endlos zum Thema schreiben, egal welche Meinung man vertritt. Aber solch ein Gespräch führe ich eigentlich viel lieber persönlich, vielleicht bei einem guten Glas Wein. Und jetzt sehe ich mir Dogma an …
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Gelesen: 359 · heute: 2 · zuletzt: 6. September 2010

